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Kraftdreikampf:
(VfV Cremlingen von 1898)

2. Bundesliga Nord - Kraftdreikampf

Folgender Artikel wurde am 17.02.2004 in der Braunschweiger Zeitung (Regionalsport Wolfenbüttel) veröffentlicht:

Viel Geschrei in Weddels Halle

Kraftdreikampf: VfV startet in der zweiten Bundesliga – Ruß mit 305 Kilogramm
Wie ein Stier brüllt der junge Mann mit der dunklen Haut, als sein Name – Tamer Trasoglu – aufgerufen wird und er nach vorn tritt. Wie irre klopft er sich auf die Brust, während sein Berliner Trainer ihn mit "Das ist dein Tag!" anfeuert. Was hier wie die Show zum Catchen aussieht, ist reine Konzentrationssache auf einen beinharten Sport: Kraftdreikampf.

Zu diesem Kräftemessen traf sich der VfV Cremlingen am Samstag mit AC Riesa und dem Berliner AC Heros in der kleinen Sporthalle in Weddel zum Wettkampf der zweiten Bundesliga Nord. Die neun Teams dieser Liga treffen sich jeweils zu dritt dreimal im Jahr. Der Aufsteiger in die erste Liga wird nach Relativpunkten ermittelt. Cremlingens Chancen stehen nicht allzu gut: Die Mannschaft wurde mit 1659,9 Punkten zweite hinter Berlin (1701) und belegt Tabellenplatz drei.

Breitbeinig staksen die 15 Athleten – fünf sind in jedem Team, die besten vier kommen in die Wertung – nacheinander an die Halterung mit der riesigen Hantel. Rote und grüne Scheiben in Gewichten von 1,25 bis 50 Kilogramm werden individuell für jeden Sportler aufgesteckt. Einer der Helfer, Stefan Pontow, ein Gewichtheber vom VfV, quetscht sich dabei übel den Finger. Es ist die einzige Verletzung bei diesem Wettkampf.

Sicherheit geht vor
Die zwischen 17 und 53 Jahre alten Kraftdreikämpfer haben vorgesorgt: Erst nach einer Stunde Aufwärmen gehen sie in den Wettkampf. Vor jedem Versuch zwängen sie ihre muskelbepackten Körper in enge "Badeanzüge", die das Gesäß stabilisieren. Man schnürt ihre Knie mit schwarzroten Stretchgurten, um sie zu schonen, und schützt ihre Lendenwirbelsäule mit einem breiten Ledergurt.

Beim Heben der Gewichte geht es zu, als würden die Männer Rekordversuche starten. Nachdem Moderator Holger Fricke Namen, Gewichte und (beim Kniebeugen) die Ständerhöhe ausgerufen hat, tickt die Stoppuhr. Schnell und konzentriert müssen die Kontrahenten, deren pralle Oberschenkel schon nach einigen Durchgängen schneeweiß sind vom Talkumpuder, vor Kampfrichter Michael Hohmann treten. Links und rechts neben dem Ständer stehen Helfer, die notfalls das Gewicht auffangen. Je mehr Gewicht, desto mehr Männer, die sichern. Als Alexander Ruß 305 Kilo stemmt, sieht man ihn kaum noch zwischen den Köpfen der anderen. Sogar hinter dem Wettkämpfer steht einer, um im Ernstfall den Körper zu halten.

Spätestens als der Wettkampf nach drei Stunden in die heiße Phase geht, brodelt die Stimmung in der kleinen Halle. Immer noch drängen sich 50 Gäste auf den Stühlen und im Gang. Einige feuern Verwandte an, so die Schwiegermutter von VfV-Mitglied Karl-Heinz de Blois, die es "sagenhaft" nennt, was der Mann ihrer Tochter hier so leistet.

Frau Makiol Czyk lobt zwar die Optik – "so muskulös sind die anderen Sportler bei uns nicht" –, doch den Kraftdreikämpfern kommt es weniger auf die Optik als auf die eigene Stärke an, versichert Christian Nehrkorn, dem man glaubt, nie eigene Oberschenkelumfänge gemessen zu haben.

Vor allem sind die Männer und Frauen vom VfV Cremlingen eine "lustige Truppe", wie Pressesprecherin Heinisch es ausdrückt. Alle freuen sich über die gelungene Veranstaltung ebenso sehr wie die Berliner über den Sieg. Kein Cremlinger arbeitet nebenbei als Türsteher, auch wenn manche so aussehen. "Dazu hätten wir keine Zeit, bei fünf bis sechs Mal Training in der Woche", sagt Ruß.

Nächstes Mal große Halle

Die Begeisterung überträgt sich beim Wettkampf in Weddel schnell auf Spontanbesucher, die sich den Kraftdreikampf das erste Mal ansehen. "Eigentlich wollten meine Frau und ich nur mal sehen, was das eigentlich für ein Sport ist, aber jetzt sind wir doch bis zum Schluss geblieben", erzählt Friedel Bielstein, Vorsitzender des VfR Weddel. "Es tut mir Leid, dass es nur die kleine Halle geworden ist", entschuldigt er sich über Mikrofon beim VfV. Und verspricht beim nächsten Mal die große Halle.
Dienstag, 17.02.2004


Autor: kahe
Artikel vom 17.02.2004, 09:49 Uhr

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